Die Landesregierung Brandenburg führt eine Landärztequote ein, um die ärztliche Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen nachhaltig zu sichern. Das Kabinett hat dafür heute einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Verbesserung der flächendeckenden hausärztlichen Versorgung im Land Brandenburg beschlossen. Dieser sieht vor, dass künftig ein Teil der Studienplätze der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL CT) gezielt an Bewerberinnen und Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach ihrem Studium für zehn Jahre als Hausärztinnen oder Hausärzte in unterversorgten Regionen des Landes tätig zu werden. Das Gesetz wird nun dem Landtag übergeben.
Medizinuni in der Lausitz hält Plätze für zukünftige Landärzte vor
Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke: „Mit der Landärztequote gehen wir einen entscheidenden Schritt, um die medizinische Versorgung in allen Regionen Brandenburgs zu sichern. Unsere neue Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus verbindet künftig exzellente Ausbildung mit sicherer Versorgung auf dem Land. Der klare Auftrag ist, Ärztinnen und Ärzte dahin zu bringen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. So schaffen wir nicht nur wichtige Studienplätze, sondern auch Zukunftsperspektiven.“
Der Minister für Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, René Wilke, erklärte: „Für eine gute, zukunftsfeste Gesundheitsversorgung in unserem Land brauchen wir neue Medizinerinnen und Mediziner für die ländlichen Regionen Brandenburgs. Landärztepraxen sichern nicht nur die medizinische Grundversorgung. Sie sind auch soziale Anlaufpunkte. Nicht zuletzt deswegen gilt: Ob ein Arzt oder eine Ärztin erfolgreich und anerkannt ist, bemisst sich an weitaus mehr als an einer Abiturnote. Auch diesem Umstand trägt unser neuer Gesetzesentwurf Rechnung. Die Bevölkerung wird immer älter, während gleichzeitig viele Hausärztinnen und Hausärzte in den Ruhestand gehen. Vor allem auf dem Land fehlt es oft an einer Nachfolge. Dieses drängende Problem gehen wir nun mit der Landärztequote an. So können wir bereits sehr frühzeitig – schon vor Beginn der Ausbildung – künftige Medizinerinnen und Mediziner gewinnen, die sich gezielt um die Gesundheitsversorgung der Menschen im ländlichen Brandenburg kümmern wollen und werden.“
Landärztequote soll bei zehn Prozent der Studienplätze liegen
Die Landärztequote ist ein zentraler Baustein der Gesundheitsstrategie des Landes. Mit der Gründung der ersten staatlichen Universitätsmedizin im Land Brandenburg gibt es erstmals auch hier die Möglichkeit, eine Landärztequote als Vorabquote wegen besonderen öffentlichen Bedarfs nach dem Staatsvertrag über die Hochschulzulassung einzuführen. Die Quote wird bei Einführung voraussichtlich zehn Prozent der Erstsemester-Studienplätze betragen. Zudem soll damit die Möglichkeit eröffnet werden, auch ohne lange Wartezeit nach dem Schulabschluss ein Medizinstudium beginnen zu können.
Ergänzt wird die Landärztequote durch die Vergabe von Stipendien an Studierende der Humanmedizin im Rahmen des so genannten Landärzteprogramms und Förderaktivitäten der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), wie z.B. die finanzielle Förderung von Praxistagen, Mentorenprogramme für Studierende sowie Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung und die finanzielle Förderung der Weiterbildung zahlreicher Facharztgruppen.
Hintergrund
Nach Angaben der KVBB gab es Ende 2024 rund 1.700 Hausärztinnen und Hausärzte im Land Brandenburg. In den kommenden Jahren scheiden viele von ihnen altersbedingt aus. 33,7 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte sind bereits 60 Jahre und älter, 16,5 Prozent sogar schon 65 Jahre und älter.