Heute vor genau fünf Jahren legte die Expertenkommission unter Leitung von Prof. Dr. Karl Max Einhäupl der Brandenburgischen Landesregierung ihre Empfehlungen zum Aufbau der Universitätsmedizin in der Lausitz vor. Sie bilden die Grundlage für den intensiven Entwicklungsprozess, der gemeinsam mit dem Wissenschaftsrat und vielen Kolleginnen und Kollegen vor Ort das bundesweit einmalige Konzept konsequent umsetzt. Am 1. Juli 2024 wurde die Medizinische Universität Lausitz–Carl Thiem gegründet, in diesem Herbst werden die ersten Studierenden immatrikuliert – aus einer politischen Vision wurde damit in nur fünf Jahren Realität.
Mehr als ein Strukturprojekt
Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke: „Die Lausitz hat oft gehört, was alles nicht geht. Heute zeigt sie, was möglich ist, und Cottbus ist inzwischen dynamischste Stadt Deutschlands: Wo jahrzehntelang Kohle gefördert wurde, entsteht eine Modellregion für Gesundheit und Forschung. Das ist mehr als ein Strukturprojekt – es ist ein Versprechen an die Menschen in Brandenburg. Möglich wurde das durch die großartige Arbeit der Expertenkommission, für die ich Professor Einhäupl und seinen Mitstreitern herzlich danke.”
Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle: „In Cottbus entsteht eine Medizinische Universität, die es so noch nicht gibt: mit einem patientenzentrierten Modellstudiengang, der die Digitalisierung und Gesundheitssystemforschung besonders berücksichtigt. Hier werden die Ärztinnen und Ärzte von morgen ausgebildet – hier wird erprobt, wie gute Versorgung künftig gelingt. Die Expertenkommission hat aus einer Idee ein wissenschaftlich tragfähiges Konzept gemacht, das den Wissenschaftsrat und den Bund überzeugte – dafür danke ich der Kommission von Herzen.“
Modellregion Gesundheit Antwort auf dreifache Herausforderung
Ausgangspunkt für die Gründungsüberlegungen war eine dreifache Herausforderung: der Strukturwandel in der Lausitz nach dem Kohleausstieg, die Sicherung der Gesundheitsversorgung in einer ländlich geprägten wie alternden Region, und der Ausbau von Wissenschaft und Forschung zu neuen Wachstumstreibern für die Lausitz. Daraus entstand die Idee einer „Modellregion Gesundheit Lausitz“ mit einer staatlichen Universitätsmedizin.
Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle setzte die Kommission im September 2020 ein – mit dem Auftrag, ein wissenschaftlich überzeugendes Profil von überregionaler Bedeutung zu entwickeln. Den Vorsitz übernahm Prof. Dr. Karl Max Einhäupl der frühere Vorstandsvorsitzende der Charité und ehemalige Vorsitzende des Wissenschaftsrats. In der interdisziplinär besetzten Kommission wirkten Fachleute aus Wissenschaft, Gesundheitsversorgung, Digitalisierung, Pflege und Verwaltung mit.
Auf 173 Seiten entwarf die Kommission das Konzept für ein wissenschaftliches Profil mit zwei komplementären Forschungsschwerpunkten – Gesundheitssystemforschung und Digitalisierung des Gesundheitswesens – sowie einem patientenzentrierten, interprofessionell ausgerichteten Medizinstudium. Die Lausitz soll im Bereich der Krankenversorgung neue Versorgungskonzepte unter Beachtung der zunehmenden Digitalisierung entwickeln und diese Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der nationalen und internationalen Gesundheitsversorgung zur Verfügung stellen. Vorgesehen ist ein digital unterstütztes Forschungs-, Lehr- und Versorgungsnetzwerk für die Region, ein „Reallabor“, in dem Versorgungsinnovationen unter Alltagsbedingungen entwickelt, erprobt und auf andere Regionen übertragen werden können.
Studierende starten zum Wintersemester 2026/2027
Die Umsetzung der Empfehlungen ab August 2021 erfolgte in raschem Tempo: Nach dem positiven Votum des Wissenschaftsrates im April 2024 verabschiedete der Landtag im Juni 2024 das Brandenburgische Universitätsmedizingesetz. Am 1. Juli 2024 wurde die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) gegründet – das bisherige Carl-Thiem-Klinikum wurde damit zum ersten staatlichen Universitätsklinikum Brandenburgs. Zum Wintersemester 2026/2027 startet der Modellstudiengang Humanmedizin mit zunächst 36 Studierenden. Bis 2035 soll die Zahl auf ca. 165 Studienanfängerinnen und Studienanfänger pro Jahr steigen.
Die Ideen der Kommission prägen den Aufbau bis heute. Mehrere frühere Mitglieder tragen dabei unmittelbar Verantwortung bei der MUL-CT: Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey ist Gründungsvorständin für das Vorstandsressort Wissenschaft und Prof. Dr. Pascal Berberat ist Mitglied der Gründungskommission.
Der Expertenkommission, die 2021 die Empfehlungen zum Aufbau der Universitätsmedizin erarbeitete, gehörten an: Prof. Dr. Karl Max Einhäupl (Vorsitz), Thomas Barta, Prof. Dr. Pascal Berberat, Prof. Dr. Reinhard Busse, Prof. Dr. Simone Fulda, Ulrich Hörlein, Stephanie Kaiser, Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Helmut Schiffer und Prof. Dr. Lothar Wieler. Im weiteren Verlauf wurde die Expertenkommission durch die Zuarbeit von Dr. Valerie Kirchberger, Martin Peuker und Dr. Mark Wähling unterstützt.