Wissenschaft und Forschung sind maßgebliche Treiber beim Wandel der Lausitz vom Kohlerevier zur europäischen Modellregion für klimaneutrales Wirtschaften. Davon hat sich am Mittwoch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär bei ihrem offiziellen Antrittsbesuch im Land Brandenburg überzeugt. Gemeinsam mit Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke und Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle informierte sich Bär an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) über mehrere Forschungsprojekte und den neu entstehenden Lausitz Science Park (LSP).

Woidke hieß Bär herzlich willkommen und betonte: „Mit rund sechs Milliarden Euro investieren wir gut die Hälfte der Strukturstärkungsmittel für die brandenburgische Lausitz in Wissenschaft und Forschung. Mit diesem Fokus sorgen wir für Innovationen und Beschäftigung. In der Lausitz ist in den vergangenen Jahren schon enorm viel in Bewegung gekommen. Überall wird der Wandel zur Region mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen Realität. Bund, Land und Kommunen zeigen hier, dass Strukturwandel gelingt, wenn alle an einem Strang ziehen. Mit dem im Aufbau befindlichen Lausitz Science Park wollen wir internationale Strahlkraft entwickeln und den Transfer in die Region ermöglichen. Die neu gegründete Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem mit dem Digitalen Leitkrankenhaus steht für eine zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.“

Bär sagte: „Die Lausitz hat über Generationen Energie für Deutschland geliefert. Jetzt wird hier das nächste Kapitel aufgeschlagen. Es entsteht eine immer stärkere Forschungs-, Technologie- und Industrieregion, in der klimaneutrale Energie, moderne Infrastruktur und wissenschaftliche Exzellenz zusammenkommen. Mit der gezielten Förderung von Forschungs- und Innovationsprojekten schaffen wir neue Zukunftsperspektiven für die Region und ihren gelingenden Wandel. Unser Anspruch ist klar: Was hier erforscht wird, soll auch hier angewendet, erprobt und in neue Wertschöpfung übersetzt werden. So wird Strukturwandel konkret – mit guten Perspektiven für junge Menschen, starken Unternehmen und einer Region, die für Deutschlands technologische Zukunft eine zentrale Rolle spielt. Auch das trägt zum Ziel der Hightech Agenda Deutschland der Bundesregierung bei: Wir wollen unser Land gemeinsam zum Top-Technologieland machen.“

Schüle ergänzte: „Die Lausitz ist eine Boom-Region: Wir wissen das längst – jetzt haben wir es auch Schwarz auf Weiß beim aktuellen Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft. Cottbus steht bundesweit an der Spitze der fortschrittlichsten Landstriche, hier kann man Zukunft beim Wachsen zusehen: Studierende der BTU tüfteln an neuen Technologien, Forscherinnen der MUL entwickeln moderne Medizinlösungen, Wissenschaftler von Fraunhofer, Leibniz und Helmholtz arbeiten an Antworten für die Probleme von morgen. Damit zeigt sich: Die Entscheidung, Wissenschaft und Forschung zu tragenden Säulen des Strukturwandels in der Lausitz zu machen, war richtig. In Zeiten, in denen viele über Krise reden, zeigt die Lausitz: Aufbruch ist möglich. Man muss ihn nur wollen – und klug investieren.“

Prof. Dr. Gesine Grande, Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg, sagte: „An der BTU verbinden wir international sichtbare Spitzenforschung mit dem Anspruch, den Strukturwandel in der Lausitz aktiv mitzugestalten. Aus starker Grundlagenforschung heraus entwickeln wir gemeinsam mit unseren Partnern Lösungen für die großen Zukunftsfragen – von klimaneutraler Energie und nachhaltiger Industrie bis zu Gesundheit und Digitalisierung. Dass sich Bundesforschungsministerin Bär hier in Cottbus über unsere Projekte und den Lausitz Science Park informiert, ist ein wichtiges Signal für die wissenschaftliche Stärke der Lausitz. Mit Blick auf die Hightech Agenda Deutschland sehen wir großes Potenzial, unsere Kompetenzen weiter auszubauen und Innovationen, Technologietransfer und internationale Talente in der Lausitz zusammenzuführen.“

Bär, Woidke und Schüle informierten sich an der BTU über die Forschungsprojekte iCampus, HERES, SpreeTec neXt und EIZ, die unter anderem zu klimaneutraler Industrie, Energiesystemen und digitaler Infrastruktur forschen, sowie über die MUL – CT. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert in der brandenburgischen Lausitz insgesamt 20 Strukturstärkungsvorhaben mit einem Fördervolumen von mehr als 1,8 Milliarden Euro. Dabei ist die MUL – CT mit einem Fördervolumen von 1,2 Milliarden Euro bis 2038 das Leuchtturmprojekt. Alle anderen durch das BMFTR geförderten Initiativen werden in den Lausitz Science Park integriert.

Der Vorstandsvorsitzende der MUL – CT, Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, sagte: „Einer der wesentlichen Partner in der Realisierung der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem ist das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Wir sind den Kolleginnen und Kollegen im Bundesministerium sehr dankbar für ihre zielführende Unterstützung in einem Universitätsaufbau, der in dieser Art und Weise in Deutschland einzigartig ist. Umso mehr fühlen wir uns geehrt über den Besuch von Bundesministerin Doro Bär, die mit hoher Fachkunde und großem politischem Einsatz für Innovation und Transfer von Wissenschaft in die Gesellschaft wirkt. Wir hoffen, ihr unsere Entwicklungen bei einem späteren Termin noch einmal ausführlicher darstellen zu können. Die enge Kooperation gerade auch mit Einrichtungen wie der Universität Bayreuth und der Universitätsmedizin Würzburg soll dabei eine wichtige Rolle spielen.“

Thema des Gesprächs zwischen Bär, Woidke und Schüle war auch, wie Brandenburg von der Hightech Agenda Deutschland profitieren und zur Umsetzung beitragen kann, die die Bundesregierung im vergangenen Jahr beschlossen hat. Die Hightech Agenda, für die innerhalb der Bundesregierung das Forschungsministerium federführend ist, definiert sechs prioritäre Schlüsseltechnologien. Brandenburg hat dafür eigene Projekte vorgeschlagen.